Kommunalwahl – so funktionierts!

Kommunalwahl – so funktionierts!

Die meisten, die am 25. Mai 2014 in ihr Wahllokal gehen und ihren Stimmzettel ausfüllen, werden wissen, dass sie bis zu 3 Stimmen zur Verfügung haben, die sie auf einen Kandidaten oder auch auf verschiedene Kandidaten gleicher oder unterschiedlicher Parteien abgeben können.

Wie entscheidet es sich aber, wer nach der Auszählung gewählt ist? Acht verschiedene demokratische Parteien, 3 Einzelbewerber, 10 Wahlbereiche, über 350 Kandidaten, bis zu 9 Listenplätze… 5% Hürde? Überhangmandate? oje…

Was sich sehr kompliziert anhört, ist eigentlich recht einfach – wenn man erst einmal verstanden hat, wie die Bürger letztlich vom Stimmzettel auf ihre Stadtratsstühle kommen. Hier ein Erklärungsversuch:

Stimmenauszählung, gültige Stimmen

Jeder Stimmzettel, auf dem mindestens 1 und maximal 3 Kreuze eindeutig zuzuordnen sind, geht in die Stimmzählung mit ein. Dabei werden für jeden Kandidaten – erst einmal unabhängig seines Listenplatzes, Wahlbereiches und Parteizugehörigkeit – die für ihn gültigen Stimmen zusammengezählt.

Feststellen der Parteienergebnisse:
Absolute Stimmen, prozentualer Anteil und erhaltene Sitze im Rat

Wenn für jeden Kandidaten seine Stimmen ausgezählt wurden, werden die Stimmen nach Parteizugehörigkeit aufaddiert. Man erhält die absoluten Stimmen, also genau die Zahl der gültigen Stimmen, die insgesamt für Kandidaten der Partei abgegeben wurde. Im Verhältnis mit den gesamt abgegebenen Stimmen erhält man den prozentualen Anteil. Um jetzt die erhaltenen Sitze für eine Partei zu berechnen, benötigt man lediglich 2 Faktoren, zum einen die gesamt abgegeben gültigen Stimmen und zum anderen die Anzahl der zu vergebenen Sitze im Rat, die mit 56 von vornherein festgelegt ist (Überhangmandate gibt es nicht). Nun muss man lediglich die Gesamtstimmen durch 56 teilen, um zu erfahren, wieviele Stimmen man pro Sitz braucht, da es keine 5% Hürde oder dergleichen gibt!

Feststellen der Ratssitze für die zehn einzelnen Wahlbereiche

Um auszurechnen, wieviele Sitze jeder Wahlbereich für die jeweilige Partei errungen hat, setzt man die Wahlbereiche untereinander in “Konkurrenz”. Folgendes Beispiel soll das veranschaulichen:

future! hat insgesamt 6 Sitze errungen. Im Wahlbereich 1, 2 und 3 haben wir jeweils 250 Stimmen erhalten. Im Wahlbereich 4 wurden uns 500 Stimmen gegeben, im Wahlbereich 5, 6, 7, 8 und 9 konnten wir 1000 Stimmen erkämpfen. Im Wahlbereich 10 sogar 2000 Stimmen! Aufgrund der erhaltenen sechs Sitze gehen die Wahlbereiche 1-4  leer aus. Der WB 10 erhält 2 Plätze, 5, 6, 7, 8 und 9 jeweils einen.

Feststellen der gewählten Bewerber in einem Wahlbereich

Jede Partei hat für jeden Wahlbereich eine Liste aufgestellt, die FDP z.B. hat in fast jedem Wahlbereich alle möglichen neun Kandidaten (Listenplatz 1-9) nominiert. Und jetzt wird es interessant, denn nicht derjenige, der ganz oben steht, kommt rein, sondern derjenige, der im Wahlbereich von der Partei die meisten (und meistfolgende, bis die Sitze des Wahlbereiches verteilt wurden) absoluten Stimmen erhalten hat. Oftmals ist es natürlich der, der ganz oben steht. Aber gerade auf den folgenden Plätzen weiß man nie so richtig, wer wen übertrumpfen konnte.

Was passiert, wenn ein Kandidat die Wahl nicht annimmt oder später zurücktritt?

In dem Fall rückt aus dem Wahlbereich (!) dieses Kandidaten derjenige nach, der die nächstmeisten Stimmen erhalten hat. Wenn die Liste des Wahlbereiches jedoch niemanden mehr enthält, geht der Sitz auf den Wahlbereich über, der rechnerisch den größeren Anspruch auf einen (weiteren) Sitz hat. In unserem future! – Beispiel (siehe 3.), wäre das der Wahlbereich 4, der trotz der 500 Stimmen bislang leer ausgegangen ist.